Vom Standort Trier aus gesehen liegt vieles im Argen. Daher stehe ich mit wenigen Ausnahmen hinter den Forderungen des Bildungsstreiks.
1. Hier kommt auf massiv überhöhte Studierendenzahlen (durch den sog. "Hochschulpakt" wurden schlagartig alle NCs abgeschafft, sodass eine riesige Schwemme Erstsemesterstudenten sogar zum Kollaps auf dem Wohnungsmarkt und erst recht im Lehrbetrieb geführt haben) ein zugleich massiver Abbau von Dozentenstellen. Vorlesungen und Seminare sind nicht
überfüllt, sondern de facto unbesuchbar. Es geht schon soweit, dass man uns mit Live-Streams versorgt, die dann den tatsächlichen Besuch einer Veranstalung ersetzen sollen.
2. Dazu kommt die (zumindest hier) stümperhaft vorbereitete Umstellung auf BA/MA, sowie ein desaströses neues Anmeldesystem ("LSF"), das kein Mensch braucht. Die Leute schaffen es auch im dritten Anlauf oft nicht in ihre Seminare und es kommt zu ungewollten Studienzeitverlängerungen. Ein massenpsychologisches Problem, weil sich jeder überall anmeldet, um irgendwo reinzukommen, das Resultat ist natürlich, dass niemand einen Platz kriegt. Das Portal ist unsicher, wurde bereits gehackt und macht essentielle Dinge wie das Hochladen von Kursmaterialien o.ä. unmöglich, was vorher völlig unproblematisch war (damals mit stud.IP).
3. Da ich einer von denen war, die vor der BA/MA-Akkreditierung vor einem Gremium rauschebärtiger Eminenzen ihre Zweifel kundtun durften, kann ich ganz gut beurteilen, wie schlecht sich die Uni auf den Umstieg vorbereitet hat. Es wurde sage und schreibe eine halbe neue Stelle geschaffen, um die gesamten Modulpläne auszuarbeiten, was im Klartext heißt dass die Dozenten das alles in ihrer Freizeit ausgearbeitet haben - nicht gerade professionell. Noch im direkten Vorfeld der Abnahme war überhaupt nicht klar, wie z.B.Studenten ihre Auslandssemester koordinieren oder in ihre überfüllten Stundenpläne Nebenjobs unterbringen sollen.
4. als wär das noch nicht genug, ist ein neues Hochschulgesetz auf dem Weg, dass Passagen enthält, die eine Entrechtung der Studierenden ermöglichen. Etwa: "Studierende, die den Lehrbetrieb stören, können von Rechts wegen exmatrikuliert werden". Zufall, nach den Protesten im letzten Semester? Wohl kaum.
5. und ganz kurz noch zum Stichwort Studiengebühren: Einerseits leiden wir natürlich unter der Gebührenfreiheit, weil jeder nach Trier will, andererseits glaube ich fest daran, dass es genug Menschen gibt, die sich dadurch ein Studium nicht leisten können. das ist für solche die es können irgendwie immer sehr schwer zu begreifen. Auch das Argument, man könne ja einfach jobben, lasse ich nicht gelten. Denn auch das hat mit Chancengleichheit nichts zu tun. Ich bin kein Marxist, aber ein Zweiklassensystem im Bildungsweg darf es in einem Land wie dem unseren nicht geben.
und und und....
An der ganzen Streiksache gefällt mir nicht, dass sie (zumindest bei uns) zunehmend hochschulpolitisch vereinnahmt wird. Da wird gerne auch mal Bildungskritik mit Kapitalimuskritik verwechselt. Auch fehlt es uns zum Teil an vernünftigen Alternativvorschlägen. Aber trotzdem: Heute waren wir auf der Straße und haben uns Gehör verschafft, und das ist gut.
